Usability Engineering


Dialoggestaltung


Unterscheidet man bei der Gestaltung einer Software in ”look“ und ”feel“, geht es in diesem Kapitel um das ”feel“, d.h., wie fühlt sich der Umgang mit der Software an, wie werden Handlungsinteraktionen unterstützt.

Softwaregestaltung ist Arbeitsgestaltung

Software wird anhand von Geschäftsprozessen entwickelt. Geschäftsprozesse sind Abläufe innerhalb einer Organisation aus Sicht des Managements. Aus der Sicht der Beschäftigten stellen sich diese als Szenarien von Arbeitsabläufen da. Wichtig ist bei jeder Softwareentwicklung beide Sichtweisen zu berücksichtigen.

Analog gilt dies für Webseiten: Hier müssen ebenfalls bestimmte Nutzungsszenarien berücksichtigt werden. Die "Bedienung" der Internetseite, Formulare etc. muss bestimmten Kriterien genügen.

Attach:DIALOG-Nutzungsqualität.gif Δ|Hohe Nutzungsqualität zeigt sich wenig an der Oberfläche einer Software
Quelle: Ch. Rudlof, in Anlehnung an IBM

Die DIN EN ISO 9241 bezieht sich auch auf die Gestaltung von Software. Da Softwaregestaltung immer auch Arbeitsgestaltung bedeutet, finden sich im Teil 2 der Normenreihe Aussagen zur ergonomischen Arbeitsgestaltung. Arbeits- und Aufgabengestaltung ist dort als wichtige Voraussetzung für den Software-Entwurf beschrieben.

In der Arbeitsgestaltung wird unterschieden zwischen der Person, die arbeitet, der eigentlichen Arbeitsaufgabe und dem Umfeld, in dem diese Arbeit stattfindet. Hintergrund ist, dass eine Arbeitsaufgabe, die z.B. aus ständig monoton wiederkehrenden Tätigkeiten besteht, nicht allein durch eine Software verbessert wird.

Diesen (und weiteren) Forderungen liegen Erkenntnisse aus dem Bereich der Arbeitswissenschaften zugrunde. Eine der zugrunde liegenden Annahmen ist die
Theorie der menschlichen Handlungsregulation.
Kurz zusammengefasst besagt diese, dass Menschen unter normalen Umständen ihre Handlungen zur Aufgabenbearbeitung in folgenden Schritten planen:

  • Handlungsziel bilden
  • Handlung/Aktion zur Zielerreichung auswählen
  • Handlung ausführen
  • Handlungsergebnis bewerten
  • ggf. neues Ziel bilden

Im Falle von Internetseiten sind Arbeitsaufgaben (z.B. das Ausfüllen eines Anmeldeformulares oder eines Bestellformulares) beispielsweise dann ergonomisch gut gestaltet, wenn:

  • die Erfahrungen und Fähigkeiten der Benutzer berücksichtigt werden,
  • die durchgeführten Arbeitsaufgaben als ganze Arbeitseinheiten erkennbar sind und nicht nur als Bruchstücke,
  • sie dem Benutzer einen angemessenen Handlungsspielraum bei der Entscheidung über die Reihenfolge, das Arbeitstempo und die Vorgehensweise ermöglichen (z.B. Speichermöglichkeit eines Warenkorbes),
  • ausreichende Rückmeldungen über die Durchführung der Arbeitsaufgabe vom System an den Benutzer erfolgen,

Belastungen bei der Arbeit mit Software können sein:

Informatorische Erschwerungen

  • unübersichtliche, unstrukturierte und informationell überladene Masken
  • uneinheitliche Oberfläche unterschiedlicher Anwendungen
  • die Verteilung von bei einem Arbeitsschritt benötigten Informationen auf unterschiedliche Masken/Anwendungen
  • fehlende, falsche oder unverständliche Fehlermeldungen
  • fehlerhafte oder nicht aktuelle Daten
  • unklare Systemzustände bzw. Systemmeldungen

Motorische Erschwerungen

  • fehlende Möglichkeiten, Eingaben zu korrigieren
  • fehlende Möglichkeiten der Zwischenspeicherung
  • fehlende Möglichkeit des unmittelbaren Zugriffs auf häufig benötigte Masken
  • unangemessene automatische Cursorpositionierung
  • Systemvorgaben, die bei der Aufgabenerledigung nicht angemessen sind
  • umständlicher Wechsel zwischen unterschiedlichen Anwendungen
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