Journalistische Radioformate


Schreiben fürs Lesen oder schreiben fürs Hören?

Bevor Sie sich daran machen, Ihren Text zu entwerfen, verdeutlichen Sie sich die unterschiedlichen Situationen, in denen Sie sich befinden, je nach dem ob SIe für Leser/innen oder für Hörer/innen schreiben:

Schreib -- Lesesituation

Schreib -- Sprech -- Hörsituation

Sie schreiben allein.

Sie schreiben, Sie sprechen und gleichzeitig hört jemand zu

Der Leser liest irgendwann.

Sprechen und hören geschieht gleichzeitig.

Die Emotionen des Schreibers bleiben unklar.

Die Emotionen sind an der Stimme wahrnehmbar.

Tiefe Gliederung und vielfältige Struktur ist erlaubt.

Es muss einfach gegliedert und schnell zu erfassen sein.

Korrekturen sind in der Entstehungsphase jederzeit möglich.

Korrekturen sind möglich, aber zu hören.

Sinnzusammenhänge können im Nachhinein geändert werden.

Sinnzusammenhänge müssen vorher feststehen.

Ausgefeilte Texte sind erwünscht.

Sprechertext sollte sich live anhören wie spontan zum Hörer gesprochen.

Nachschlagen und zurückblättern ist immer möglich.

Nachschlagen und zurückblättern ist nicht möglich.

Sie wenden jetzt vielleicht ein, dass die meisten Radiobeiträge ja doch nicht live seien, sondern im Vorfeld produziert werden. Das ist sicher richtig, trotzdem dürfen sich die An- und Abtexte oder Moderationen nicht wie abgelesen (abgestanden?) anhören. Die Hörer/innen erwarten in der Hörsituation die akustische Illusion von direktem Kontakt, von Authentizität und Echtzeitreaktion. Möglichst soll nicht bemerkt werden, dass das Feature oder die Magazinsendung schon vor vier Wochen produziert wurde.

Weitere Hinweise finden Sie in: St. Wachtel (2003). Schreiben für das Hören. 3. Auflage. Konstanz: UVK Verlag. Seite 11-22 und Seite 41-75

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