Filmanalyse


Von der Beobachtung zum aktiven Handeln

Die Kinder in den 50er Jahren werden, das wurde schon ausgeführt, nicht in eine Welt gestellt, die besonders kindgerecht ausgestattet ist. Die Erwachsenen interagieren miteinander und nehmen auf die Anwesenheit der Kinder keine Rücksicht. Da auf das Fehlverhalten der kindlichen Protagonisten im Film schwere Sanktionen folgen können (Abbruch des Urlaubs und Rücktransport in ihre Pflegefamilien), sind die Kinder darauf angewiesen, sich über die geltenden Regeln klar zu werden und sich in dieser neuen Ferienwelt vorsichtig zu orientieren. Im Lauf der Filmhandlung entdecken die Kinder dann zunehmend, welche Möglichkeiten des aktiven Eingreifens diese Welt bietet, und nutzen diese Möglichkeiten dann auch.

Entsprechend verhalten die Kinder sich in der ersten Phase des Films eher abwartend, orientieren sich über Regeln, Rituale und wie die Erwachsenen sich verhalten. Ihre Fähigkeit, genau zu beobachten und ihre Wachheit, die Widersprüchlichkeit der Erwachsenenwelt aufzuspüren, führt sie zunehmend dazu, ihre eigenen Handlungsoptionen zu erkennen und dann auch zu nutzen. Das beginnt mit dem Verstellen der Wanduhr. Scheinbar ganz unschuldig weisen sie Johanson darauf hin, dass er verschlafen habe. Indem sie ihn beim Nichtbefolgen der eigenen Regeln ertappt haben, sichern sie sich einen Punkt in dem Spiel der Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen, in dem es auch um Macht (Bestimmendürfen) geht. 1 zu 0 für die Kinder. Die Blechdosen, die dem Film seinen Titel geben, sind noch ganz der magischen Kinderwelt verhaftet. Sie stellen eine scheinbare Macht der Kinder dar, den Lauf des Schicksals beeinflussen zu können. Diese scheinbare Macht wird aber zunehmend ergänzt durch reale Macht der Kinder, die in die Interaktionen der Erwachsenen eingreifen und damit die Zukunft beeinflussen. Annika läßt Johanson gegenüber einfließen, dass Frl. Svanström ihn für tüchtig und attraktiv hält, Frl. Swanström teilt sie mit, Johanson würde sie gern zum Essen einladen.

Annika erweist sich in dieser gezielten Desinformationsstrategie als hochgradig interaktionskompetent. Sie hat verstanden, wie in der Erwachsenenwelt Macht und Einfluss ausgeübt wird, wie man Informationen gezielt streut und damit das Verhalten der anderen Menschen lenkt. Sie lässt sich durch die Selbstpräsentation der Erwachsenen nicht mehr blenden, sondern schaut hinter die Fassaden auf Motivationen und unbefriedigte Sehnsüchte. Sie weiß diese gezielt einzusetzen. Eine sehr gute Kostprobe ihres meisterlichen Geschicks, die Klaviatur der kommunikativen Kompetenz zu spielen, gibt sie gegenüber der Krankenschwester, indem sie das Verhalten der Krankenschwester interpretiert: „Sie ist neidisch. Sie wäre auch gern so verliebt wie wir.“

Der dramatische Showdown des Films zeigt die Macht der Kinder auf ihrem Höhepunkt. Als sie in ihrer Verzweiflung vom Dach springen wollen, kommen sie erst durch die Frage der Erwachsenen darauf, dass sie ja Forderungen stellen können. Schließlich sagt man ihnen die Forderung, zusammenbleiben zu dürfen, auch zu. In der Lösung des Konflikts zeigt sich dann allerdings die Erwachsenenwelt von ihrer hässlichsten Seite: die staatliche Autorität bricht das Versprechen, das sie selbst gegeben hat. Im märchenhaften Schluss sind dann doch wieder - diesmal mutige - Erwachsenen notwendig, um die Geschichte doch noch zu einem guten Ende zu bringen - eine deutliche Begrenzung der kindlichen Allmachtsphantasien.

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