Filmanalyse


Bilder von Kindheit - Die Auswahl des Films


Quelle:www.pixelio.de

Meine Wahl fiel auf den Film "Liebe in Blechdosen". Um zu prüfen, ob er für eine Analyse geeignet ist (genug hergibt im Sinn der Seminarfragestellung) war es sinnvoll, mir nach der ersten Rezeption zunächst einige Fragen zu stellen.

Spontane Reaktionen auf die erste Filmbetrachtung

Der Film schildet die Entwicklungsprozesse von zwei 11jährigen Kindern im Jahr 1958 während eines Sommerurlaubs. Er zeichnet sich durch Humor und Liebe zum Detail aus. Für mich als Erwachsenen ist der Film interessant, weil er - in meiner Generation - Erinnerungen an die eigene Kindheit wachruft. Die Psychologie der Figuren ist stimmig aufgebaut. Dennoch spielt er mit Magie und magischem Denken, was ich gerne mag und was für ältere Kinder ein interessantes Sujet ist (Harry Potter, Tintenherz etc.). Er ist komplex gemacht, als europäischer Film ganz anders als süßlich-kitischege Hollywoodkomödien und kreist dramaturgisch um vielschichtige Konfliktkonstellationen, die ihn in jeder Phase spannend machen.

Der Film ist auch für Kinder sehr gut geeignet. Schon Sechsjährige können, davon habe ich mich überzeugt, die Handlungsstränge problemlos rekonstruieren und die Figuren, auch in ihren Entwicklungsprozessen, verstehen und charakterisieren. Auch können Kinder, mit denen ich den Film angesehen habe, formulieren, was sie an dem Film interessant oder „witzig“ finden, etwa die Idee, Gefühle hervorrufen und in Dosen konservieren zu können.

Leitfrage und Erkenntnisinteresse

Ausgangspunkt meiner Überlegungen zur Darstellung von Kindheit im Film ist zunächst die Frage, warum der Film, der 2001 gedreht wurde, die Handlung ins Jahr 1958 rückverlagert. Nostalgische Accessoires wie die Autos, Kleidung, Eisenbahnwaggons und die ruhigen Landschafts- und Dorfaufnahmen stärken sicherlich die visuelle Ausdruckskraft des Films und entheben ihn eines vorschnellen trivialen Realismus, indem sie ihn in eine „andere Zeit“ verlagern. Die Rückverlagerung der Geschichte um ein halbes Jahrhundert erlaubt es zudem, die gesamte Umwelt der Kinder als geschlossener zu inszenieren: es gibt weniger Ablenkung von den dramatisch wirkungsvollen Momenten und Konflikten, die sich zwischen den Akteuren abspielen. So spielen z. B. Medien im Kinderleben kaum eine Rolle - außer in der dramatisiert zugespitzen Form des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft, das Morten gern ansehen würde.

Im wesentlichen sind es die dramaturgischen Aspekte, verdichtet in den Interaktionen der handelnden Figuren, die den Aufbau bestimmter Konfliktkonstellationen ermöglichen, die wohl als Motiv ausschlaggebend gewesen sein dürften, den Film in die 50er Jahre zu verlegen: Vor einem halben Jahrhundert gingen Kinder und Erwachsene auf eine Art miteinander um, die heute so nicht mehr möglich oder wahrscheinlich ist.

[Anm.: Meinen Schwerpunkt der Analyse habe ich mit Hilfe der ersten Überlegungen, was an dem Film offensichtlich, faszinierend und spannend ist, auf die Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen eingeschränkt. Bei diesem Kernaspekt will ich die gesamte Filmanalyse über bleiben. Hierfür ist es notwendig, verschiedene Teilaspekte von „Interaktion“ zu fokussieren: Regeln/Erziehung, Macht/Ohnmacht und Figurenkonstellationen/Rollen.]

Der Film zeigt eine Menge an Interaktion zwischen den Kinder und verschiedenen Erwachsenen, allesamt aus der Perspektive der Kinder und speziell von Morton gezeigt. In den Interaktionen werden nicht nur die Kinder und Erwachsenen als Figuren charakterisiert, sondern auch Entwicklungsprozesse erzählt, die auf zwei Ebenen stattfinden: einerseits auf der Ebene der Handlung, und zum zweiten auf der Eben der Anpassung der Kinder an die für sie neue Situation beim Ferienvater.

Bearbeiten · Historie · Hochladen · Aktuelle Änderungen · Druckansicht · Intern · Zuletzt geändert am 08.01.2008 10:46 Uhr