Filmanalyse


Mein Fragehorizont zum Thema 'Kindheit im Film'


Quelle:www.pixelio.de

Der Fragehoriont

Als Seminarleiter bin ich in einer etwas anderen Situation als ein Student oder eine Studentin, was die Entwicklung eines Fragehorizonts angeht. Ich sollte mich für alle möglichen Fragehorizonte, von denen viele auftauchen können, offen halten. Ein Fragehorizont hat für mich aufgrund meines Alters dennoch einen ganz besonderen Reiz:

Hat sich Kindheit seit meiner eigenen Kindheit verändert? Wenn ja, wie, und: Wie stellen Medien eine andere Kindheit dar? Darin steckt ja immer auch eine Utopie, ein Infragestellen des aktuell Gegebenen, und das interessiert mich.

Im Zusammenhang mit dieser Fragestellung bin ich auf den Film "Liebe in Blechdosen" gestoßen, von dem ich spontan begeistert war und den ich mit meinen eigenen Kindern, die ebenso wie ich Gefallen fanden, intensiv diskutiert habe. Im Lauf dieser 'Filmgespräche' konnte ich mir einen Eindruck machen, unter welchen Gesichtspunkten der Film für Kinder interessant ist.

Schon meine damals sechsjährige Tochter konnte die Handlungsstränge problemlos rekonstruieren und die Figuren, auch in ihren Entwicklungsprozessen, verstehen und charakterisieren. Auch konnten meine beiden Töchter (die ältere war damals 9), klar formulieren, was sie an dem Film interessant oder (in der Sprache der Kinder) „witzig“ finden, so etwa die Idee, Gefühle hervorrufen und in Dosen konservieren zu können.

Für Erwachsene ist der Film vielleicht deshalb interessant, weil er - in meiner Generation - Erinnerungen an die eigene Kindheit wachruft. Dramaturgisch ist er - wie typisch für Erwachsenenfilme - um vielschichtige Konfliktkonstellationen zentriert, die ihn spannend machen. Also alles andere als eindimensional.

Anmerkung: Der Film wurde nicht in der Themenwoche der ARD gezeigt, sondern schon ca. drei Jahre zuvor in 3sat ausgestrahlt. Ich habe ihn vor der Themenwoche analysiert, um daran als Seminarvorbereitung die Methode zu verdeutlichen.

Im folgenden finden Sie einige kurze Ausführungen, auf die ich meine ersten Überlegungen zu meinem eigenen Zugang zum Film verdichtet habe.

Vom Fragehorizont zur Leitfrage

Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist zunächst die Frage, warum der Film, der 2001 gedreht wurde, die Handlung ins Jahr 1958 rückverlagert. Nostalgische Accessoires wie die Autos, Kleidung, Eisenbahnwaggons und die ruhigen Landschafts- und Dorfaufnahmen stärken sicherlich die visuelle Ausdruckskraft des Films und entheben ihn eines vorschnellen trivialen Realismus, indem sie ihn in eine „andere Zeit“ verlagern.

Die Rückverlagerung der Geschichte um ein halbes Jahrhundert erlaubt es zudem, die gesamte Umwelt der Kinder als geschlossener zu inszenieren: es gibt weniger Ablenkung von den dramaturgisch wirkungsvollen Momenten und Konflikten, die sich zwischen den Akteuren abspielen. So spielen z. B. Medien im Kinderleben kaum eine Rolle - außer in der dramatisiert zugespitzen Form des Endspiels der Fußballweltmeisterschaft, das Morten gern ansehen würde.

Die Konfliktkonstellationen, die die Handlung vorantreiben sind verdichtet in den Interaktionen der handelnden Figuren. Diese Konfliktkonstellationen dürften wohl als Motiv ausschlaggebend gewesen sein, den Film in die 50er Jahre zu verlegen: Vor einem halben Jahrhundert gingen Kinder und Erwachsene auf eine Art miteinander um, die heute so nicht mehr möglich oder wahrscheinlich ist.

Der Film zeigt eine Menge an Interaktion zwischen den Kinder und verschiedenen Erwachsenen, allesamt aus der Perspektive der Kinder und speziell von Morton gezeigt. In den Interaktionen werden nicht nur die Kinder und Erwachsenen als Figuren charakterisiert, sondern auch Entwicklungsprozesse erzählt, die auf zwei Ebenen stattfinden: einerseits auf der Ebene der Handlung, und zum zweiten auf der Eben der Anpassung der Kinder an die für sie neue Situation beim Ferienvater.

Damit habe ich meinen Fokus der Analyse mit Hilfe der ersten Überlegungen, was an dem Film offensichtlich, faszinierend und spannend ist, auf die Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen eingeschränkt. Wie in vielen Filmen ist die Art und Weise spannend, wie die Menschen miteinander umgehen, hier: Kinder und Erwachsene.

Damit habe ich die Leitfrage herausgearbeitet, unter der ich den Film anschauen will:

Wie gehen in dem Film die Erwachsenen mit den Kindern um und umgekehrt?

Bei diesem Kernaspekt will ich die gesamte Filmanalyse über bleiben.

Durch Nachdenken, Gespräche und wiederholtes Filmschauen öffnen sich verschiedene Teilaspekte von „Interaktion“, etwa:

  • Regeln/Erziehung,
  • Macht/Ohnmacht und
  • Figurenkonstellationen/Rollen.

Ich habe mich mittlerweile versichert, dass der Film tatsächlich genügend Material bietet, um diese Frage sinnvoll zu beantworten.

Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass es sich bei dem Film natürlich um eine mediale Inszenierung der Vergangenheit handelt. Wie die Menschen vor einem halben Jahrhundert tatsächlich miteinander umgingen, kann ich mit dem Material natürlich nicht beantworten.

Bearbeiten · Historie · Hochladen · Aktuelle Änderungen · Druckansicht · Intern · Zuletzt geändert am 08.01.2008 10:46 Uhr